Die verrücktesten Rabattaktionen im Deutschen Einzelhandel

Die verrücktesten Rabattaktionen im Deutschen Einzelhandel

Deutsche Einzelhändler starten mittlerweile die kuriosesten Rabattaktionen, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten zu erhaschen. Ob nackt einkaufen, Klamotten „all-you-can-eat“ oder Geld-zurück-Garantie bei Regen, die Fantasie kennt keine Grenzen. Ganz nach dem Motto: je verrückter, desto besser. Aber wie weit darf das gehen?

Vor einigen Jahren waren die Einzelhändler in Bezug auf Rabattaktionen noch wesentlich eingeschränkter. Doch dann wurden Rabattgesetz und Zugabeverordnung aufgehoben. Eigentlich warern diese zum Schutz des Verbrauchers gedacht, um die willkürliche Preissetzung der Einzelhändler zu verhindern. Im Rahmen der EU-Harmonisierung musste der deutsche Gesetzgeber jedoch einige der alten Gesetzesrelikte (das Rabattgesetz war von 1933) anpassen oder streichen. Dem Einzelhandel wurde dadurch eine riesige Spielwiese hinterlassen, der Phantasie zur Verkaufsförderung war plötzlich keine Grenzen mehr gesetzt.

Rabattaktionen um jeden Preis

Aber existiert da, abgesehen von den rechtlichen Rahmenbedingungen, nicht doch irgendwo noch eine gewisse  Schmerzgrenze? Es sieht nicht danach aus. Es folgen immer mehr skurrile Rabattaktionen, eine verrückter als die andere. Obwohl Forscher vor einiger Zeit nachweislich herausgefunden haben, dass bei Rabatten der Verstand vollkommen aussetzt, fragt man sich dennoch: was nehmen die Konsumenten alles auf sich? Aber sehen Sie selbst:

Lebensmittelkauf mal anders

Ein Lebensmittelhändler aus Schleswig Holstein hatte im Sommer 2012 eine besonders skurrile Idee: Er versprach den ersten hundert Kunden, die nackt bei ihm im Laden erscheinen einen Gratis-Einkauf bis zu einem Warenwert von 270 €. Der Ansturm war tatsächlich so groß, dass einige Kunden schon eine Nacht vor der Aktion am Laden ihr Zelt aufschlugen. Mehrere hundert Einkäufer kamen nackt in den Laden, um bei der wohl sehr verführerischen Rabattaktion dabei zu sein.

Klamotten all-you-can-eat

Eine ebenfalls recht ungewöhnliche Idee hatte ein türkisches Jeanslabel. Unter dem Motto: „Friss den Laden leer“ hatten die ersten hundert Kunden die Aufgabe so viele Klamotten wie möglich im Mund aus dem Laden zu tragen. Alle Kleidungsstücke, die so den Laden verließen, konnten von den Kunden gratis mitgenommen werden. Der Rekordhalter schafft es tatsächlich 26 Kleidungsstücke im Mund aus dem Laden zu befördern. Um die Rabattaktion bekannt zu machen wurden sogar vom Label selbst Tipps in sozialen Netzwerken verbreitet, in denen beschrieben wurde, wie man sich mit bestimmten Mund-Dehnungsübungen am besten auf die Aktion vorbereitet.

Geld-zurück-Garantie bei Regen

Eine auch rechtlich umstrittene Idee hatte ein Möbelhaus in Baden-Württemberg. Die Spielregeln waren wie folgt: man musste für mindestens 100 Euro einkaufen und bekam dann unter bestimmten Wetter-Bedingungen sein Geld wieder. Es musste an einem bestimmten Stichtag, drei Wochen nach der Aktion, zwischen 12.00 und 13.00 Uhr mindestens drei Millimeter pro Quadratmeter am Stuttgarter Flughafen regnen. Ein wenig konfus, aber wahr. Zunächst wollte das Regierungspräsidium Karlsruhe die Rabattaktion stoppen. Die Begründung hierfür war, dass die Kunden durch die festgesetzte Mindesthöhe des Einkaufs dazu verleitet werden mehr Geld auszugeben, als sie wollen. Das würde dann zu sehr ans Glücksspiel anlehnen und bedürfte somit einiger Genehmigungen. Letztlich wurde die Rabattaktion dann aber doch durch den Verwaltungsgerichtshof von Baden-Württemberg genehmigt, da das Möbelhaus das Geld für die Ware an sich verlangte, nicht für die Chancen auf einen Gewinn.

Shoppen in Unterwäsche

Fast schon ein Klassiker ist eine Werbeakion des spanischen Modelabels Desigual. Dieses wollte seine Kunden in Unterwäsche sehen. Unter dem Motto „Zieh Dich aus, wir ziehen Dich an“ sollten die Kunden lediglich in Unterwäsche bekleidet vor dem Laden erscheinen. Im Laden konnten sich dann die ersten hundert Teilnehmer ein Gratis-Outfit aussuchen und sich wieder anziehen. Da der Andrang tatsächlich auch hier sehr groß war, bekamen alle halbnackten Kunden, die nicht zum Zug kamen, einen Einkaufsgutschein als Trostpreis. Mittlerweile ist diese Aktion schon Tradition bei den Spaniern und wird zum Anfang jedes Sommer-Schlussverkaufs in verschiedenen Städten durchgeführt. Die letzte Aktion fand übrigens in unserer Heimatstadt Köln statt, mitten auf der Schildergasse, und lockte auch hier viele Zuschauer an.

Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Die Resonanz in den Medien auf die verschiedenen Rabattaktionen war natürlich groß. Allerdings kann man durchaus die Sinnhaftigkeit und Konzeption in Frage stellen. Will man als Lebensmittelmarkt, in dem Hygiene besonders wichtig ist, wirklich mit nackten Menschen in Verbindung gebracht werden? Letztlich müssen sich die Händler die Frage stellen, was ihnen wichtiger ist: Aufmerksamkeit um jeden Preis, mit dem Risiko schlechte Kritik zu ernten, oder ein sauberes Image zu behalten und dafür keine Schlagzeilen zu kassieren.

Das Wichtigste bei solchen gewagten und skurrilen Rabattaktionen ist immer der Bezug zur Marke! Es sollte niemals entgegengesetzt zur Branche oder dem Produkt gehandelt werden, sonst entstehen leicht Negativ-Schlagzeilen. Somit sollte sich jeder Einzelhändler die Frage stellen, ob die tolle, verrückte und wahrscheinlich aufmerksamkeitsstarke Rabattaktion, die ihm gerade im Kopf rumschwirrt, auch wirklich seine Produkte und sein Image repräsentiert. Letztlich ist es vielleicht besser der eigenen Phantasie dann doch ein paar kleine Grenzen zu setzten…